Johanna Osl aus Angerberg: Tradition und Fortschritt am Mehrgenerationenhof

Vom alten Holzhaus bis zum modernen Fütterungsroboter zeigt der Pfaringhof in Angerberg, dass Tradition und Technik gut zusammenpassen. Seit 24 Jahren arbeitet Johanna Osl auf dem Milchviehbetrieb mit Ferienwohnungen und Zimmern mit Frühstück.
Der Pfaringhof wird als Mehrgenerationenbetrieb geführt. Gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard, den Schwiegereltern Martha und Josef sowie den beiden Söhnen Markus und Lukas bewirtschaftet die Familie den Hof. Zum Betrieb gehören 23 ha Grünland, 16 ha Wald sowie eine Alm auf rund 1.200 Metern Seehöhe. “Jeder Tag bringt etwas Neues“, sagt Johanna. “Weit vorausplanen lässt es sich in der Landwirtschaft kaum, Flexibilität gehört einfach dazu.“

Gemeinsam durch den Hofalltag

Am Pfaringhof helfen alle mit. Eine genaue Aufgabenverteilung gibt es nicht, denn jeder weiß, was zu tun ist. Johanna und ihr Mann kümmern sich vor allem um den Stallbetrieb, die Söhne packen mit an, sobald sie von der Arbeit nach Hause kommen. Besonders bei der Heuernte arbeiten Jung und Alt zusammen. Denn auch die Großeltern sind täglich im Einsatz. Martha betreut die Zimmer mit Frühstück und erledigt mit Sepp Arbeiten, die rund um den Hof anfallen. Am Betrieb ist dadurch fast immer jemand präsent. Der starke Zusammenhalt innerhalb der Familie erleichtert und macht vieles möglich.
 
Johannas Arbeitstag beginnt bereits um halb fünf im Stall. Bei der Frage, ob sie eine Frühaufsteherin sei, lacht sie nur: “Nein, da brauche ich erst einmal meine Auftauphase.“ Neben der Stallarbeit kümmert sie sich um den Haushalt und um die Ferienwohnungen. Drei Mal pro Woche arbeitet sie zusätzlich außer Haus - dann heißt es nach dem Stall: duschen und ab in die Arbeit.

Moderne Technik im traditionsreichen Hof

Der Pfaringhof verbindet Altes mit Neuem. Das Bauernhaus stammt aus dem Jahr 1776 und wurde damals nach den Mondphasen errichtet. “Früher ist beim Hausbau viel mit den Mondzeiten gearbeitet worden“, erzählt Johanna Osl. Das alte Holz sei bis heute außergewöhnlich widerstandsfähig: “Es würde zwar glühen, aber brennen tut es niemals.“ Auch im heutigen Arbeitsalltag spielt der Mond für sie eine wichtige Rolle. Viele Tätigkeiten am Hof - etwa Klauenpflege, Enthornung oder Fütterung - richtet sie bewusst nach dem Mondkalender aus. Gleichzeitig setzt der Betrieb auf moderne Technik. Ihr Mann, gelernter Maschinenschlosser, plante den neuen Stall und entwickelte viele Lösungen selbst. Seit 2024 erleichtern ein Fütterungsroboter und ein Mistsauger die tägliche Arbeit. Besonders der Fütterungsroboter ist für Johanna eine große Unterstützung und nicht mehr wegzudenken. Während sich die ältere Generation bei neuer Technik eher zurückhält, zeigen die Söhne große Begeisterung dafür.

Offen bleiben und dazulernen

Weiterbildung bedeutet für Johanna, "nie stehenzubleiben“. Je nach Lebensphase interessieren sie unterschiedliche Themen - von landwirtschaftlichen Fachkursen bis hin zu energetischen und homöopathischen Ansätzen. “Das macht das Leben aus, da kann man viel lernen“, sagt sie über die Freundschaften und Netzwerke, die daraus entstehen.
 
Veränderungen sieht sie gelassen. “Die Landwirtschaft entwickelt sich ständig weiter, langfristige Planung ist schwierig.“ Familie Osl orientiert sich daher bewusst an den eigenen Vorstellungen und lässt sich wenig von außen beeinflussen. Wichtig ist für sie, dass Entscheidungen zum Betrieb und zur Familie passen.

Auszeit darf sein

Trotz Milchviehbetrieb nimmt sich die Familie bewusst Zeit zum Wegfahren. Erst vor kurzem waren Johanna und Gerhard auf Bildungsreisen in Schottland sowie im Oman und in Dubai unterwegs. “Möglich ist das, weil zuhause alle zusammenhelfen und Aufgaben übernommen werden“, sagt Johanna. Natürlich herrscht immer eine gewisse Nervosität, denn am Hof muss alles laufen. “Telefonisch erreichbar ist man trotzdem immer“, merkt Johanna an.
 
Ein Anliegen ist Johanna Osl besonders wichtig: Bäuerinnen und Bauern sollten sich öfter Auszeiten gönnen - ohne schlechtes Gewissen. “Jeder hat genug Arbeit“, sagt sie. “Man darf auch einmal spazieren gehen, ohne dass gleich gefragt wird, ob man nichts zu tun hat“. Mehr Zusammenhalt innerhalb der Landwirtschaft und weniger Konkurrenzdenken würden aus ihrer Sicht guttun.

Steckbrief

Name: Johanna Osl
Betrieb: Milchviehbetrieb mit Ferienwohnungen und Zimmern mit Frühstück in Angerberg
Alter: 49 Jahre
Talent: Allrounderin
 
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